Wörlitzer Gartenreich

UNESCO Welterbe bei Dessau

In Wörlitz bei Dessau steht der Gründungsbau des deutschen Klassizismus; hier wurde der erste Landschaftspark Kontinental-Europas errichtet.

1765 wagt der England-Enthusiast Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau den ersten Schritt, um in Wörlitz einen weitläufigen Park nach englischem Muster anzulegen. Nur vier Jahre später entsteht mit dem Schloss Wörlitz der Gründungsbau des deutschen Klassizismus. Damit ist der Fürst seiner Zeit weit voraus. 

Der Landschaftspark mit seinen klassizistischen und neugotischen Bauten bildet den Auftakt und den ästhetischen Höhepunkt eines bis dato einmaligen Programms zur Landesverschönerung und Lebensverbesserung.

Wörlitz gilt mithin als Inbegriff der Aufklärung in Deutschland.

Inmitten des Schlossgartens befindet sich eines der berühmtesten Bauwerke der deutschen Baugeschichte. Von 1769 bis 1773 entstand der Sommersitz des Fürsten nach dem Vorbild englischer Landhäuser. Als 'Musterhaus' für den neuen Stil war es von Anfang an öffentlich zu besichtigen, wie der ganze Park übrigens auch. Baumeister war Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff.

Vom Schlossgarten ausgehend entwickelten der Fürst, sein Freund und Berater von Erdmannsdorff sowie die Gärtner Neumark, Eyerbeck und Schoch in einem Zeitraum von 35 Jahren den ersten bedeutenden Landschaftsgarten auf dem europäischen Kontinent. Fünf Gartenteile ordnen sich um den vierarmigen Wörlitzer See.

Das Gotische Haus

Nicht nur der deutsche Klassizismus, sondern auch die Neugotik hat in Wörlitz ihren Ausgangspunkt in Deutschland. Heute gehört die ehemalige Wohnung des Hofgärtners Schoch zu den ältesten weitgehend original erhaltenen Architekturen der Neugotik in Europa.

Drei Räume waren dem Fürsten, der Tochter des Gärtners, sowie den drei gemeinsamen Kindern vorbehalten.  

Insel 'Stein' mit der Villa Hamilton

Die Insel Stein ist mit dem ältesten künstlichen Vulkan Europas ein besonders spektakuläres Denkmal im UNESCO-Welterbe Gartenreich Dessau-Wörlitz.​

Hier vermittelte der Fürst seinen Untertanen, für die das Reisen in andere Länder fast unmöglich war, eine Vorstellung von der Gegend am Fuße des Vesuvs. Zu besonderen Anlässen werden noch heute künstliche Eruptionen inszeniert.

Die Villa Hamilton gilt als ein Freundschaftsmonument für den britischen Diplomaten, Antikensammler und Geologen Sir William Hamilton, den der Fürst 1766 in Neapel kennen und schätzen gelernt hatte.

Luisium

Fürst Franz von Anhalt-Dessau ließ das kleine Landhaus 'Luisium' 1774-78 für seine Gattin Louise als privaten Wohnsitz als 'Tempel der weiblichen Tugend' erbauen. 

Das Bauwerk ist von einem Landschaftsgarten von 14 ha umgeben samt neugotischer und klassizistischer Gartenarchitekturen.

In Sichtbeziehung zum engeren Gartenbereich entstand ab 1779 ein neugotisches Gestüt in Form einer 'ornamented farm'. Dazu gehört eine gemischte Viehherde, die bis heute gehalten wird.

Unweit Wörlitz liegt der Ort Oranienbaum,ein kleines Stück Holland

Schloss Oranienbaum ist zusammen mit dem Park und der architektonischen Einbeziehung der Stadt ein einzigartiges Architekturensemble holländischer Prägung in Deutschland.​

Henriette Catharina, Gemahlin des Fürsten Johann Georg II. von Anhalt-Dessau ließ sich die großzügige Schlossanlage ab 1683 zunächst als Sommersitz errichten und ab 1693 als Witwensitz ausbauen. Die aus dem Haus Oranien-Nassau stammende Prinzessin gab dem Ort nicht nur einen auf ihre Familie bezogenen Namen, sondern verlieh dem Schloss auch das holländische Gepräge. Hierzu trug maßgeblich der aus der Heimat der Prinzessin stammende Baumeister Cornelis Ryckwaert bei. 

Nach dem Tod Henriettes wurde das Haus nur noch gelegentlich für Jagdaufenthalte genutzt. Erst Urenkel Fürst Franz entdeckte in den 1780er Jahren die Schlossanlage wieder für sich.​

Im ehemals barocken Garten schuf er einen Englisch-Chinesischen Garten, der als der einzig erhaltene dieser Art in Deutschland gilt. Eine fünfgeschossige Pagode setzt die architektonischen Akzente. Ab 1812 entstand eine der längsten Orangerien Europas, die seitdem ohne Unterbrechung zur Unterbringung des reichen Bestands an Zitruspflanzen genutzt wird.