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Moskau

Mit 12,5 Millionen Einwohnern ist die Hauptstadt Russlands (2021) nach Istanbul die zweitgrößte Stadt in Europa. 2019 waren wir auf der Durchreise für nur einen Tag dort - und dennoch: Wir haben viel gesehen, denn unser Programm war gut geplant: Übernachtung im Hotel ‚Metropol‘, Gang über den Roten Platz zum ‚Haus der Regierung‘, Streifzug durch den Komplex rund um die Schokoladenfabrik ‚Roter Oktober‘.


Die Fotos sind aus dem Februar 2019.


 

Das Hotel Metropol liegt im Zentrum der Stadt, unweit des Roten Platzes. Es wurde nach Plänen von William Walcot im Jugendstil erbaut und 1905 eröffnet. 1917, nach dem Sturz des Zaren übernahmen die Bolschewisten das Hotel. Vom Balkon aus hielt Lenin gelegentlich seine Reden.

 

Damit begann eine dramatische Leidensgeschichte, die Eugen Ruge in seinem Roman Hotel METROPOL erneut aufgezeigt hat: Die Zimmer wurden in Wohnungen für Abgeordnete umgewandelt und dienten in den Jahren des ‚Großen Terrors‘ (‚Große Säuberung‘, 1936-38) zwangsweise zur Unterbringung von Mitgliedern der KPdSU und ausländischer kommunistischer Parteien, die hier auf ihre willkürlichen Schauprozesse wegen angeblicher ‚politischer Vergehen‘ warten mussten. Regelmäßig in der Nacht holte die stalinistische Geheimpolizei nach einem Quotensystem Menschen ‚zum Verhör‘; hunderte Menschen verschwanden auf Nimmerwiedersehen in den Kellern der Geheimpolizei KGB oder im Gulag. Gleichzeitig diente ein Teil des Hauses weiterhin als Hotel für prominente ausländische Gäste.

 

Von 1986 bis 1991 wurde das Hotel vollständig renoviert und 2012 an die staatseigene Azimut-Hotelgruppe versteigert und erneut umfassend zum Luxus-Hotel renoviert.


Kein einziger Hinweis auf die grauenvolle Historie des Hauses ist dort zu finden. Im Gegenteil: Fotos der kommunistischen Führer Josef Stalin und Mao Zedong, neben Hitler die größten Massenmörder des 20. Jahrhunderts, werden im Foyer stolz und kommentarlos neben Golda Meir, Michael Jackson, Bert Brecht u.a. gezeigt. Stalins Biograf Wolkogonow schätzt , dass 1929 bis 1953 19,5 bis 22 Millionen Menschen durch die sogenannten Säuberungen zu Tode kamen. Mao wird (lt. Wikipedia) für bis zu 40–80 Millionen Tote verantwortlich gemacht, die aufgrund von vermeidbaren Hungersnöten, Bestrafungsaktionen und politischen Säuberungen starben.



Das Haus der Regierung (oder: Haus an der Uferstraße), ein weiterer Ort des kommunistischen Terrors, liegt direkt am Ufer der Moskwa, schräg gegenüber dem Kreml. Das große Gebäude im Stil des sogenannten russischen Konstruktivismus wurde in den Jahren 1928–1931 nach dem Entwurf von Boris Iofan gebaut, dem berühmtesten Architekten der Stalin-Ära. Im dem monumentalen Gebäude waren sämtliche Regierungsmitglieder und hochrangigen Parteifunktionäre untergebracht - zur besseren Kontrolle und Überwachung durch den Geheimdienst KGB. Dafür genossen die Bewohner einen für die damalige Zeit außerordentlich hohen Wohnkomfort: Geräumige Mehrzimmerappartements mit fünf Meter hohen Zimmern, Telefonanschluss, Gasherd und Zentralheizung sowie etlichen nur den Hausbewohnern zugänglichen Gemeinschaftseinrichtungen wie Sporthalle, Tennisplatz, Kindergarten, Bibliothek und Wäscherei.

 

Während des kommunistischen ‚Großen Terrors‘ von Mitte bis Ende der 1930er Jahre wurde das Wohnhaus zum ‚Haus des Schreckens‘: Rund 250 Hausbewohner wurden unter willkürlichen Vorwänden als sogenannte ‚Hochverräter‘ und ‚Volksfeinde‘ verhaftet. Die meisten von ihnen wurden hingerichtet, darunter auch Walentin Trifonow.

 

Den angsterfüllten Alltag der Hausbewohner beschrieb dessen Sohn Juri Trifonow in seinem 1976 erschienenen Roman ‚Das Haus an der Uferstraße‘ (in Deutschland auch bekannt als ‚Das Haus an der Moskwa‘). Heutzutage dient das Gebäude wieder als Wohnhaus. Dort ist seit 1989 auch ein kleines Museum untergebracht, in dem sich Besucher zur der Geschichte des Hauses informieren können. Das Museum wird von Juri Trifonows Witwe Olga Trifonowa geleitet. Ob es heute noch existiert?



Die Schokoladenfabrik 'Roter Oktober': 1851 eröffnete der brandenburgische Zuckerbäcker Theodor Ferdinand von Einem aus Belzig eine kleine Konditorei am Arbat. 1857 lernte er seinen zukünftigen Geschäftspartner kennen, den deutschen Kaufmann Julius Heuss aus Walddorf im Schwarzwald. 1867 ließen sie am Sophienufer, direkt gegenüber vom Kreml, ihre erste Schokoladenfabrik bauen. 1876 starb von Einem. Heuss führte die Geschäfte des Unternehmens fort und gründete die damals größte und modernste Süßwarenfabrik des Landes an der Südspitze der Jakimanka-Insel. Die Gebäude wurden mit rotem Backstein gebaut und die Maschinen von einer modernen Dampfmaschine angetrieben. Heuss war ein sozial eingestellter Unternehmer, der seinen Mitarbeitern eine Lohnfortzahlung bei Krankheit und an kirchlichen Feiertagen sowie eine lebenslange Rente nach einer 25-jährigen Betriebszugehörigkeit gewährte.

 

Das Unternehmen Einem war für die hohe Qualität ihrer Produkte bekannt. Sie erhielt viele Auszeichnungen für ihre Produkte, darunter der Grand Prix der Weltausstellung in Paris 1900. 1913 wurde EINEM zum Hoflieferanten ernannt. Nach der Oktoberrevolution der Bolschewisten wurde die Firma verstaatlicht und in „Staatliche Süßwarenfabrik Nr. 1, vormals Einem“ umbenannt. 1922 erhielt das Unternehmen den heutigen Namen „Roter Oktober“. Nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft wurde die Firma 1992 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 2007 verlegte man die Produktion in den Norden der Stadt. Übrig blieben das Fabrikmuseum und ein kleiner Laden, in dem Süßigkeiten von Roter Oktober verkauft werden.


Das sechs Hektar große Gelände in bester Stadtlage konnte vor Abriss und lukrativer Neubebauung bewahrt werden. In den umgebauten Fabrikgebäuden befinden sich mittlerweile zahlreiche Start-Ups, Boutiquen von Modemachern und Möbel-Designern, ein Café mit Video-Installationen, eine Diskothek und eine Fernsehstation für Internetfernsehen. (Wikipedia)



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