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Ludwig Mies van der Rohe

Dritter und letzter Bauhaus-Direktor

"Der Architekt Ludwig Mies van der Rohe wurde zum dritten Bauhaus-Direktor berufen. Unter seiner Leitung wurde die Architektur zum zentralen Lehrinhalt, der Vorkurs abgeschafft und die Werkstattausbildung eingeschränkt. Trotz des radikalen Kurswechsels musste das Dessauer Bauhaus nach einem Beschluss der nationalsozialistischen Mehrheit in der Stadtversammlung im September 1932 geschlossen werden. In einer alten Telefonfabrik in Berlin-Steglitz versuchte Mies van der Rohe, das Bauhaus fortzuführen. Im August 1933 gab er die endgültige Schließung der Lehrstätte bekannt, nachdem die Nationalsozialisten das Gebäude versiegelten, letzte finanzielle Zuschüsse strichen und Studenten verhafteten.

László Moholy-Nagy, der in Chicago das New Bauhaus begründete, Walter Gropius, Marcel Breuer, Ludwig Mies van der Rohe und andere emigrierten nach Amerika. Meyer kehrte nach einer Zeit in der Sowjetunion 1936 in die Schweiz zurück. So trugen die ehemaligen Bauhaus-Direktoren ihre jeweilige Interpretation von Architekturentwurf und Produktgestaltung in Lehre und Praxis in alle Welt. Aufs Bauhaus bezogen sie sich dabei in höchst unterschiedlicher Weise." (FAZ, 2018; Heike Edelmann)

Barcelona-Pavillon

Der "Barcelona-Pavillon" des deutschen Architekten Mies van der Rohe war der Ausstellungspavillon des Deutschen Reichs auf der Weltausstellung 1929 in Barcelona.  Er diente der Selbstdarstellung der Weimarer Republik und sollte durch seine Neuartigkeit und Präzision die Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie und des Handwerks symbolisieren. Zwei Stilelemente der 'Modernen Architekturauffassung Mies' prägen den Pavillon:  Im „freien Grundriss“ werden die von ihrer Tragfunktion befreiten Wände zu leichten Raumteilern oder Flächen im Raum. Der „fließende Raum“ verbindet durch die fast transparent wirkenden Wände mit ihren großen Glasfronten und den filigranen Stahlstützen den Wohnbereich mit dem Außenbereich. Wie später bei der Berliner Neuen Nationalgalerie ruht das Stahlbeton-Dach auf filigranen Stahlstützen, zwischen denen Wandelemente und Glasscheiben von der Decke bis zum Boden reichen. Nach dem Ende der Weltausstellung wurde der Pavillon abgerissen und die verwendbaren Baustoffe verkauft. Einige Teile davon befinden sich heute im Altbau des Sächsischen Landtages in Dresden. Zwischen 1983 und 1986 rekonstruierte die Stadt Barcelona unter der Leitung der Architekten Cristian Cirici, Fernando Ramos und Ignasi de Solà-Morales den Pavillon nach den Originalplänen an der ursprünglichen Stelle.  Nicht zuletzt durch seinen Wiederaufbau wird der Pavillon als eine der Architekturikonen des 20. Jahrhunderts bestätigt. (Wikipedia)

Landhaus Lemke

Das Landhaus Lemke im Berliner Ortsteil Alt-Hohenschönhausen ist das letzte von Ludwig Mies van der Rohe entworfene Wohnhaus in Deutschland vor seiner Emigration 1938 in die USA.  Der L-förmige eingeschossige Bau ist mit seinen nur zwei Zimmern und 160 m² Grundfläche verhältnismäßig schlicht und bescheiden. Das Ehepaar Lemke wohnte nur wenige Jahre in der Villa. Im Mai 1945, nach der Einnahme Alt-Hohenschönhausens durch die Rote Armee, wurde die Familie aufgefordert, das Haus schnellstmöglich zu verlassen. Die umliegende Gegend wurde zum Sperrgebiet erklärt und die Villa Lemke als Garage und Abstelllager benutzt. Später wurde das Haus - bis zur deutschen Wiedervereinigung - als Wäscherei und Kantine für die Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) genutzt. Der Garten wurde teilweise zubetoniert und als Parkplatz zweckentfremdet. Die Sanierung erfolgte in den Jahren 2000-2002. Heute dient das Haus als Ausstellungspavillon für Moderne Kunst. (Wikipedia)

Neue Nationalgalerie

Die Neue Nationalgalerie Mies van der Rohes von 1965 gilt als ‚Meisterwerk‘, 'Ikone der Nachkriegsmoderne' und eines der bedeutendsten Bauwerke der Stadt. Sie bildet den Höhepunkt einer Reihe von Bauten, die den stützenlosen, eingeschossigen Hallenraum thematisieren, der ein freier und rein architektonischer Raum sein sollte.

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Neue Nationalgalerie

Mies griff beim Entwurf zur Nationalgalerie auf einen eigenen Entwurf von 1957 für das nicht ausgeführte Verwaltungsgebäude des Rum-Herstellers Bacardi in Santiago de Cuba und auf den ebenfalls eigenen zwischen 1960 und 1963 entwickelten Entwurf des Museum Georg Schäfer in Schweinfurt zurück, der gleichfalls nicht realisiert wurde. Beide Entwürfe beruhen auf einem auf acht Stützen gelagerten Dach sowie dem stützenfreien Innenraum. Mies bat seinen Freund Frei Otto um Unterstützung bei der Statik des 1.260 Tonnen schweren Daches. (Wikipedia)

Wikipedia führt aus: Die Neue Nationalgalerie ist das einzige Bauwerk, das Mies van der Rohe nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland umsetzte. Mies’ Lösung ist mit ihrem latenten Klassizismus eine moderne Vergegenwärtigung des antiken Podiumstempels, die der durch Karl Friedrich Schinkel und seine Schule geprägten Berliner Bautradition entspricht. Mit der Neuen Nationalgalerie realisierte Mies den von ihm entwickelten Gedanken des Universalraums. Auf einer 105 × 110 Meter großen Granitterrasse, die den leichten Abhang am Ufer des Landwehrkanals ausgleicht, setzt der quadratische Pavillon als Stahl-Glas-Konstruktion auf. Die Kantenlänge des den Bau dominierenden, ebenfalls quadratischen Daches beträgt 64,8 Meter; die umschließenden Glaswände sind allseitig um 7,2 Meter zurückgesetzt und bilden so die Haupthalle.

An der Eröffnung 1968 konnte Ludwig Mies van der Rohe aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr teilnehmen.

Ludwig Mies van der Rohe

Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) gilt als einer der bedeutendsten Architekten der Architektur der ‚Moderne‘. Mies bezog in Diskussionen Position auf Seiten der ‚Neuen Sachlichkeit‘, ohne sich aber, anders als die ‚Funktionalisten‘ des Bauhauses, vollkommen oder einseitig der ‚Funktionalität‘ zu verschreiben.

Mit den Mitteln neuster technischer Materialien und konstruktiver Möglichkeiten wollte er ‚die neue Zeit‘ architektonisch ordnen und repräsentieren. Wie Walter Gropius am Bauhaus Dessau entwickelte er Tragstrukturen aus Stahl, die eine hohe Variabilität der Nutzflächen und eine großflächige Verglasung der Fassaden ermöglichten. Dieses Konzept war so universal, dass es auf Generationen von Architekten weltweit Einfluss ausübte und bis heute immer weiterentwickelt wurde. Berühmt wurde Mies auch als Vertreter des Minimalismus in der Architektur, ausgedrückt durch die Formel „Weniger ist mehr“.

Zu Beginn der Karriere: Auch Mies arbeitete als junger Mann eine Zeit lang (1908-1912) im Büro von Peter Behrens, dem damaligen Vorreiter der Architektur-Avantgarde in Deutschland und Mitbegründer des Deutschen Werkbundes. Dort traf er auch Walter Gropius und Le Corbusier. Sie unternahmen Exkursionen zu den Bauten Karl Friedrich Schinkels und besuchten 1910 die Ausstellung der Arbeiten von Frank Lloyd Wrightin Berlin. Bereits 1913 eröffnete Mies in Berlin ein eigenes Architekturbüro. Eines seiner bekanntesten Bauwerke aus dieser Zeit ist die ‚Churchill-Villa‘ (noch) im ‚Schinkel-Stil‘, ehemals Haus Seefried des Deutsche Bank Mitinhabers Franz Urbig am Griebnitzsee in Potsdam.

Zäsur: Der Erste Weltkrieg. Der Erste Weltkrieg wirkte in Europa auch auf viele Architekten wie eine Zeitenwende. Ihnen wurde deutlich, dass die wissenschaftlichen, technischen und sozialen Umwälzungen, das Entstehen großer Industrien zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit ‚historisierenden Rückgriffen und ornamentalen Verkleidungen‘ architektonisch nicht auszudrücken waren und auch funktional den Herausforderungen nicht mehr gerecht werden konnten. ‚Modernen Architekten‘, so auch Mies van der Rohe, ging es jetzt um eine vollständige Neuformulierung der Architekturtheorie. Mies schloss sich 1921 der ‚Novembergruppe‘ an, die bis 1925 ihre Architekturentwürfe in der jährlichen Großen Berliner Kunstausstellung vorstellte.

Fünf Studien Mies van der Rohes gelten als hoch-innovative Keimzellen seiner späteren Arbeiten: Studie für ein Bürohochhaus in der Friedrichstraße (1921), vollständig verglast, mit variablen Nutzflächen (‚Haut-und-Knochen‘-Architektur); Studie eines Glashochhauses (1921); ‚Landhaus in Eisenbeton‘ und ‚Bürohaus in Eisenbeton‘ (1923); ‚Landhaus in Backstein‘ (1924). Hier zeigt sich erstmals konsequent die Idee des ‚fließenden Raumes‘, eines offenen Grundrisses. 

Mitte der 1920er Jahre entstanden in einigen Städten des Deutschen Reichs große Siedlungen dessozialen Wohnungsbaus. Mies van der Rohe realisierte vier Mehrfamilienwohnhäuser an der Afrikanischen Straße in Berlin-Wedding. Dabei verwendete er zur Senkung der Baukosten erstmals vorfabrizierte Normbauteile.

1924 gründete Mies mit weiteren Mitgliedern des Bundes Deutscher Architekten einen internen Gesprächskreis mit dem Namen ‚Der Ring‘. Im gleichen Jahr trat er dem DWB (Deutscher Werkbund) bei und wurde 1926 dessen Vizepräsident. In dieser Funktion leitete er die Werkbundausstellung ‚Die Wohnung‘ 1927 in Stuttgart. Ein Teil dieser Ausstellung war die ‚Mustersiedlung Am Weißenhof‘ (‚Weißenhofsiedlung‘). Mies entwarf dafür einen langgestreckten Riegel aus vier Mehrfamilienhäusern, bei dem er zum ersten Mal ein Stahlskelett verwendete. Le Corbusier, der ebenfalls Entwürfe beisteuerte, lud Mies zum Gründungskongress des CIAM nach Athen ein.

1926 entwarf er das Revolutionsdenkmal für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin. Dies sollte keine politische Stellungnahme für den Kommunismus sein, sondern eine künstlerische Umsetzung des Gedenkens an zwei Opfer willkürlicher Gewalt.

1928 wurden Mies van der Rohe und seine Partnerin Lilly Reich mit der künstlerischen Leitung der deutschen Abteilung der Weltausstellung 1929 in Barcelona beauftragt. Mies baute ein offizielles Empfangsgebäude als nahezu zweckfreien Repräsentationsbau. Damit wurde er zur Hauptattraktion der gesamten Weltausstellung; der ‚Barcelona-Pavillon‘ gilt seitdem als eines der bedeutendsten Werke der modernen Architektur überhaupt. 1930 schuf Mies das Haus Tugendhat im tschechischen Brünn, das als weiteres Hauptwerk der modernen Architektur gilt und heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

1930 nahm Mies die Berufung zum Direktor des Bauhaus Dessau an und entwarf dort 1932 die ‚Trinkhalle‘ in direkter Nachbarschaft zu den Meisterhäusern Walter Gropius‘. Ebenfalls 1932 wurde das Bauhaus von der NSDAP-Mehrheit im Stadtrat von Dessau geschlossen. Mies führte es als Privatinstitut in Berlin-Lankwitz eine kurze Zeit weiter, musste aber Mitte 1933 endgültig aufgeben. 

Im Berliner Ortsteil Alt-Hohenschönhausen ist das letzte in Deutschland von Mies van der Roheentworfene Wohnhaus vor seiner Emigration 1938 in die USA zu bewundern: Das Haus Lemke (auch: ‚Mies-van-der Rohe-Haus‘; hier).

Der politische Opportunismus Mies van der Rohes: Seine Fehleinschätzungen politischer Realitäten teilt Mies mit einigen anderen Künstlern. Bei Mies erklären sie sich vielleicht mit seinem von Freunden konstatierten Desinteresse an politischen Themen: Im Jahr 1934 trat Mies in die nationalsozialistische ‚Reichskulturkammer‘ ein, am 18. August 1934 unterzeichnete er den Aufruf der Kulturschaffenden zur Unterstützung Adolf Hitlers, im selben Jahr nahm an der Ausstellung ‚Deutsches Volk - Deutsche Arbeit‘ teil. Auch sein Entwurf für den deutschen Beitrag zur Weltausstellung in Brüssel 1934 ist wohl als Zeichen seines Opportunismus zu verstehen. Die Nationalsozialisten drängten ihn dennoch 1937 zum Verlassen der Preußischen Akademie der Künste. Damit war deutlich geworden, dass er im nationalsozialistischen Deutschland keine Zukunft mehr hatte.

Emigration in die USA.

1936 bekam Ludwig Mies van der Rohe ein Angebot, die Leitung der Architekturabteilung am ‚Armour Institute‘ in Chicago zu übernehmen. Das Interesse an moderner Architektur war groß in den USA: 1932 hatte die Ausstellung ‚Modern Architecture: International Exhibition‘ des Museum of Modern Art in New York sowie das Buch dazu („The International Style“) Aufsehen erregt. 1938 siedelte Mies in die Vereinigten Staaten über, 1944 wurde er amerikanischer Staatsbürger.

Am Armour Institute sorgte Mies van der Rohe dafür, dass die dortige Orientierung an der ‚École des Beaux-Arts‘ aufgegeben und durch eine neue Lehre ersetzt wurde, die sich vom Handwerklichen über das Planerische zum Theoretischen entwickelte. 1939 gründete Mies sein privates Architekturbüro in Chicago und bekam nach der Fusion des Armour Institute mit dem Lewis Institute zum Illinois Institute of Technology (IIT) 1940 den Auftrag für die Planung des neuen Campus dieser Hochschule. Zahlreiche große Wohnhochhausanlagen, Bürohochhäuser, sowie eine moderne Version einer Gartenstadt folgten in den 1940-60er Jahren.