Kurt Walter Leucht

Verantwortlicher Planer und Architekt von Eisenhüttenstadt ist Kurt Walter Leucht (1913-2001), gelernter Maurer, arbeitslos 1931-33.

1933 Eintritt in der NSDAP, dann Dienst in der Luftwaffe. 1935 stellt ihn Georg Sagebiel in Dresden als Architekt an. Sieben Monate später wechselt Leucht nach Berlin in das Büro von Erich Mendelsohn, das seit dessen Emigration von seinem ehemaligen Bürochef Ernst Sagebiel geleitet wird. Reichsluftfahrtministerium (heute: Finanzministerium), Flughafen Tempelhof, Flughafen München-Riem heißen die Stationen, an denen er mitwirkt. Mit der Planung der Vorzeigeprojekte ‚Stadt des KdF-Wagens‘ (Wolfsburg) und ‚Stadt der Hermann-Göring Werke‘ (Salzgitter), kommt Leucht ebenfalls in Berührung.

1938 schickt Sagebiel Leucht für ein Jahr nach Italien. Nach eigener Aussage hinterlässt die Urbanität der dortigen Stadtanlagen bei ihm einen großen Eindruck; seine Ablehnung der ‚Stadtlandschaft‘ (der modernen Architektur, Charta von Athen), die er mit der offiziellen nationalsozialistischen Architekturlehre teilt, verfestigt sich.

Im Herbst 1941 wird er zum Flugplatzbau in Weißrußland eingesetzt. Von dort nach Italien versetzt, untersteht dem Major der Luftwaffe das gesamte Bauwesen an der Mittelmeerfront. Im Oktober 1944 wird er nach Süd-Tirol verlegt und erhält den ‚streng geheimen‘ Auftrag, für die Reichsregierung die sagenumwobene ‚AIpenfestung‘ zu bauen.

 

Leucht kommt 1945 in englische Gefangenschaft, aus der er schon nach einer Woche wieder entlassen wird.

 

Eine ‚Entnazifizierung‘ seiner städteplanerischen Auffassungen erfolgt nicht. Im Oktober 1945 geht Leucht nach Dresden. Er kommt dem Oberbürgermeister gerade gelegen, der Fachleute für den Wiederaufbau sucht. Die politisch-militärische Biographie Leuchts kann er jedoch nicht übergehen und schaltet den sächsischen KPD-Chef Hermann Matern ein. Dieser stellt Feucht ein neues (SED) Parteibuch aus und die Arbeit im Stadtplanungsamt kann beginnen. 1948 übernimmt er dessen Leitung.

1949 verfasst er das Buch ‚PIanungsgrundlagen, Planungsergebnisse für den Neuaufbau der Stadt Dresden‘, die erste Arbeit über die Planung des Wiederaufbaus einer kriegszerstörten deutschen Stadt überhaupt, bekannt als ‚Schwarze Fibel‘.

 

Dieses Werk eröffnet ihm eine glänzende Karriere in der DDR: Für den 4. Januar 1950 sind vom Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, die Oberbürgermeister aller DDR-Großstädte sowie die wichtigsten Architekten zur Beratung eines DDR-Baugesetzes geladen. Weidauer schickt Leucht an seiner Stelle. Als Dreizehnter auf der Rednerliste erhält Leucht das Wort. Er huldigt nicht, wie seine Vorredner, dem neuen Gesetz, sondern kritisiert es. Ulbricht ist beeindruckt, Leucht soll die Koordinierung des Wiederaufbaus der DDR übernehmen. Leucht offenbart Ulbricht seine NSDAP-Vergangenheit. Von diesem ist die Antwort überliefert "Das sind die Leute, die wir brauchen." Bei Leucht laufen nun Koordinierung und Kontrolle der Arbeiten an allen ‚Aufbaustädten‘ der DDR zusammen.

Zu seinen ersten Amtshandlungen gehört eine Reise nach Moskau und in andere sowjetische Städte zusammen mit Spitzenfunktionären aus Architektur und Bauverwaltung der DDR, die auf das sowjetische Vorbild eingeschworen werden sollen. In dieser Gruppe ist er der Einzige, der nicht nur konkretere Vorstellungen über den Wiederaufbau besitzt, sondern diese auch, mit seinem Dresden-Buch, nachlesbar ausgearbeitet hat. Die Sowjets finden seinen Ansatz interessant und beauftragen die deutschen Genossen, die Leuchtschen ‚Grundprinzipien‘ zu überarbeiten und übersetzen zu lassen.

 

Was die Sowjets zweifellos beeindruckte: Leuchts strikte Ablehnung der ‚modernen Stadtlandschaft‘ (Hans Scharoun in Berlin, Charta von Athen) und Leuchts Vorliebe für neo-klassizistische Repräsentationsbauten, wie er sie schon im nationalsozialistischen 3. Reich mitgestaltet hatte.

Das wichtigste Ergebnis dieser Reise sind die ‚16 Grundsätze des Städtebaus‘, die am 27. Juli 1950 vom Ministerrat der DDR als verbindlich für den Wiederaufbau beschlossen werden und auch in das Aufbaugesetz der DDR (September 1950) eingehen.

Eines seiner ersten Projekte ist Stalinstadt.

 

1953 verliert Leucht das Stalinstädter Projekt wieder, seine eigentliche Demontage beginnt 1955. Inzwischen hat sich der Wind in Moskau um 180 Grad gedreht. Der ‚Sozialistische Klassizismus‘ ist begraben, nun wird ‚billig und schnell‘ gebaut. Der Technokrat Gerhard Kosel wird zum neuen starken Mann im DDR-Wohnungsbau.

 

Damit beginnt ein jahrelanger Kampf um die Industrialisierung des Wohnungsbaus, der 1961 zur endgültigen Niederlage Leuchts wird, der nach Dresden zurückkehrt, wo er 1966 als Stadtbaurat wieder eingesetzt wird. 1969 jedoch beruft ihn sein einstiger Förderer, Walter Ulbricht, auch von diesem Posten ab. Leucht hatte sich geweigert, entlang der Elbe Hochhäuser zu errichten.