HANSA-VIERTEL
Die Internationale Bauausstellung IBA 57 in West-Berlin

Das Leitbild der ‚Stadtlandschaft‘ mit dem Konzept der ‚gegliederten und aufgelockerten Stadt‘ bestimmte im Westen Deutschlands bis 1960 den Konsens von Architekten und Planern.

 

So auch im ehemals vorwiegend jüdisch geprägten gründerzeitlichen Hansa-Viertel in Berlin nahe dem Tiergarten. Nach dem vollständigem Abriss der alten Bebauung wurde mit der Neugestaltung im Stil der ‚Nachkriegsmoderne‘ begonnen: Aufgelockerte Baustrukturen statt der geschlossenen Blockrandbebauung der Vorkriegszeit; viel Grün zwischen den Bauwerken.

Im Rahmen der IBA 57 wurden 53 Architekten aus 13 Ländern eingeladen, ihre Entwürfe für ein neues Hansa-Viertel zu präsentieren, allesamt Verfechter westlich-moderner Vorstellungen vom Neuen Bauen, darunter Alvar Aalto, Egon Eiermann, Walter Gropius, Arne Jacobsen, Oscar Niemeyer und Max Taut. 35 Objekte wurden verwirklicht. Die programmatische Orientierung für das Großprojekt lieferte die 1933 von namhaften Architekten unter der Federführung von Le Corbusier entwickelte ‚Charta von Athen‘ (1933), die eine strikte Trennung der Funktionen Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Verkehr forderte.

Die IBA 57 verstand sich als westlich-orientiertes Gegenstück zur streng neoklassizistischen Stalinallee im DDR-Teil Berlins. Stalinallee und Hansaviertel wurden nahezu gleichzeitig gebaut, beide als Demonstrationsobjekte für die Leistungsfähigkeit des jeweiligen Gesellschaftssystems. Beide blieben jeweils Unikate (zu teuer, Fremdkörper in der Stadtlandschaft).

So gruppieren sich heute Wohnhäuser mit insgesamt 1160 Wohneinheiten sich in lockerer Mischung aus Hoch- und Flachbauten um das Zentrum am Hansaplatz. Heute ist das Hansaviertel weitgehend ohne urbanes Leben. Auch im Hansaviertel manifestieren sich somit die grundsätzlichen Schwächen ’moderner‘ Stadtplanung.