Stalinstadt
heute: Eisenhüttenstadt

Stalinstadt, bzw. heute Eisenhüttenstadt, (erbaut von 1953 bis in die siebziger Jahre) ist die einzige „sozialistische Stadtgründung“ (der ehem. DDR) und heute das größte „Flächendenkmal“ Deutschlands.

 

Die Staatspartei SED sprach von einer „Stadt neuen Typus“, einer „Idealstadt“. Verantwortlich für den Entwurf der Stadt zeichnet der unmittelbar nach Kriegsende von der NSDAP zur SED übergewechselten Stadtplaner und „Kapitalismuskritiker“ Kurt Walter Leucht. Größe und Struktur der Stadt wird von ihm in allen Details auf dem Reißbrett exakt berechnet („Planstadt“), entsprechend den Ausbauplänen für das EKO-Stahlwerk, dem größten Projekt der DDR im ersten 5-Jahrplan.

 

In Stalinstadt ist ein Bau-Ensemble entstanden, dessen erste Bauabschnitte ästhetisch beeindrucken; bei näherem Hinsehen jedoch versagt die Stadt als Organismus. Der Entfaltungsspielraum der Bewohner wurde selbst für DDR-Verhältnisse über jedes bekannte Maß in Richtung der Einheitspartei kanalisiert und politisiert. Die Stadt kennt nicht das traditionelle Geflecht aus öffentlichen Straßen und Plätzen und davon abgeschiedenen privaten Höfen und Gärten. Alles ist öffentlich in Stalinstadt; überbreite Straßen und Plätze führen letztlich zur Auflösung der Stadt: Eisenhüttenstadt fehlt jede Urbanität.

 

Nach dem Ende der Herrschaft der marxistischen Partei ist kein Stadtorganismus mehr erkennbar. Was bleibt, ist die Kulisse einer ausgeträumten trügerischen Utopie.