Ehemaliges FUNKHAUS
der DDR

(Heute: Studiokomplex und Heimstatt für Musiker, Fotografen, Maler, Multimedialeute u.a.).

Ein leerstehender Baukomplex einer früheren Sperrholzfabrik in der Nalepastraße im sowjetischen Sektor Berlins wurde ab Sommer 1951 zu einem Funkhaus ausgebaut. Von hier sendeten, zentral und von der SED-Führung streng reglementiert - bis zu ihrem Untergang - sämtliche überregionalen Radiosender der DDR ihre Programme.
 
Für den Bau lieferte der Architekt Franz Ehrlich, Kommunist und ehemaliger Bauhaus-Schüler, die Pläne. Der verglaste Bogengang mit großen Stahlfenstern ist eine deutliche Reminiszenz an das Bauhaus. Auch der Verzicht auf repräsentative Zufahrten oder Eingänge zu den Gebäuden verweisen auf die Dessauer-Moderne.

Im Innenbereich schuf Ehrlich eine außergewöhnliche Symbiose aus 'Moderne' und 'repräsentativem Konservatismus': Großzügige Foyers mit Freitreppen und repräsentative Eingangshallen mit Säulen. Für den Boden verwendete er Saalburger Marmor, der zum Teil aus der zerstörten Reichskanzlei stammte.

Ehrlich fällt mit dem Bau, der einen scharfen Kontrast zur damaligen Staats-Architektur des 'stalinistischen Klassizismus' bildete, bei der DDR-Führung in Ungnade: SED-Chef Ulbricht selbst erscheint nicht zur Eröffnung des Hauses.


Noch heute gelten die Sendestudios als „State of the Art“. Sie faszinieren mit Klangqualität, optimaler Nachhallzeit und guter Studioausstattung. In den Tonstudios spielten A-ha, Sting und andere einige ihrer Alben ein. Im Großen Aufnahmesaal 1 nahmen nach der Wende Daniel Barenboim und Kent Nagano Sinfonien und Opern auf, große Musiklabels nutzen die Studios für Musikproduktionen. Die Konstruktion und der akustisch perfekte Ausbau durch Chefingenieur Gerhard Probst und Akustiker Lothar Keibs sind eine ingenieurtechnische Meisterleistung.

Meine Fotos zeigen den Zustand der Anlage im Jahr 2017.