Bildband
Berlin:Welthauptstadt der Architektur

Keine andere Stadt verkörpert so sehr die Geschichte des 20. Jahrhunderts wie Berlin.

Meine Fotos zeigen repräsentative 'ikonografische' Bauten der aufeinander folgenden Bau-Epochen und Bau-Stile seit Beginn der 'Architektur-Moderne' Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Erkennbar werden die Zusammenhänge der Architekturentwicklung mit den politischen Umbrüchen dieser besonderen Stadt Berlin. Nirgendwo sonst auf der Welt prallen in einem so kurzen Zeitraum von 100 Jahren derart unvereinbare Ideologien, Denkweisen, politische Herrschaftssysteme und Architekturauffassungen aufeinander wie in Berlin. Für alle Architektur-, Geschichts- und Berlin-Interessierte ist der Bildband deshalb eine wahre Fundgrube. Meines Wissens gibt es kein vergleichbares Bildwerk am Markt zu kaufen.

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Keine andere Stadt hat für die 'moderne' Architektur weltweit eine vergleichbare Bedeutung wie Berlin. Berlin galt in der kurzen Zeit der 'Weimarer Republik' neben New York als 'Epizentrum' der Architektur-Avantgarde. Hier gründete Peter Behrens, Chefdesigner der AEG, damals eines der größten Elektrounternehmen der Welt, 1908 den Deutschen Werkbund, dessen Archiv sich noch heute in Berlin befindet. Behrens gilt als Erfinder des ‚Corporate Design‘; in seinem Büro lernten Walter Gropius, LeCorbusier und Mies van der Rohe ihr Handwerk - drei Architekten, die sich in Berlin mit bahnbrechenden Entwürfen verewigten. In der 'Novembergruppe' und im 'Ring' fanden sich die 'progressiven' Architekten Deutschlands in Berlin zusammen. Gropius gründete 1919 das Bauhaus, die wohl einflussreichste Designschule der Welt. LeCorbusier beeinflusste die Stadtplanungen zahlreicher Städte weltweit. Mies van der Rohe übernahm die Leitung der Architekturabteilung am Armour Institute in Chicago. Architekten auf der ganzen Welt nahmen und nehmen Bezug auf die 'Berliner Moderne'. Kaufhäuser, Theater, Kirchen, Fabriken, Wohnsiedlungen wurden 'modern'. Bruno Taut, Erich Mendelsohn, Hans Scharoun und viele andere erlangten mit ihren Berliner Werken ebenfalls Weltruhm. Mies van der Rohe wurde mit dem 'Barcelona-Pavillon' zur Hauptattraktion der Weltausstellung 1929. Seine 'Neue Nationalgalerie' in Berlin von 1966 gilt als eines der bedeutendsten Werke der modernen Architektur überhaupt.

Doch auf die Moderne der 1920er Jahre folgte bereits 1933 die 'Gegenmoderne' des Nationalsozialismus. Berlin sollte zu ‚Germania‘, der ‚nationalsozialistischen Welthauptstadt eines 1000-Jährigen Reichs‘ werden. Noch heute existieren zahlreiche Artefakte dieser Zeit in Berlin: So zum Beispiel der ehemalige Flughafen Tempelhof, damals größtes Gebäude der Welt, und das Reichssportfeld mit dem Olympiastadion von 1936. Die meisten dieser Bauten werden noch heute intensiv genutzt und können auch von Innen besichtigt werden.

 

Der Albtraum des Nationalsozialismus endete bekanntlich mit dem verlorenen Weltkrieg und der weitgehenden Zerstörung der Stadt. Im Ostteil Berlin begann 1945 die Herrschaft der zweiten großen Diktatur des 20. Jahrhunderts, des Kommunismus. Erneut wurde die Stadt einer menschenfeindlichen Ideologie unterworfen: Die historische Altstadt wurde abgetragen, das Stadtschloss gesprengt; an deren Stelle entstand, unvollendet wie schon 'Germania', die 'sozialistische Stadt' Ost-Berlin. Die heutige Karl-Marx-Allee mit ihren 'Arbeiterpalästen' imaginierte das 'kommunistische Paradies'. Aber auch dieses Experiment wurde abrupt beendet, es entstanden die berüchtigten Plattenbausiedlungen ('schneller und billiger'), aber auch einige wenige durchaus spektakuläre 'DDR-moderne' Bauten von internationalem Rang - so zum Beispiel des Haus des ehemaligen 'DDR-Staatsrats' oder das 'Funkhaus der DDR'.


Berlin wurde nach 1945 schnell zur ‚Frontstadt‘ zweier verfeindeter Weltsysteme - die Architektur dieser einzigartigen 'Doppelstadt' wurde Teil des Systemwettstreits: Checkpoint Charly, die Berliner Mauer, die zahlreichen sowjetischen Gedenkstätten, die Abhörstation der CIA sind ebenfalls Teil der Stadtarchitektur. In West-Berlin, und zeitlich versetzt auch in Ost-Berlin, übernahm in den 1960er Jahren eine von ihren ursprünglichen Werten entkernte 'Moderne' die Regie. Berlin wurde 'autogerecht', auf Kahlschlag-Flächen entstanden Siedlungen der 'neuen Hässlichkeit', die schnell zu sozialen Brennpunkten wurden. Walter Gropius wandte sich mit Schaudern von der mit seinem Namen bezeichneten 'Gropius-Stadt' ab. Noch Schlimmeres, wie der 'Generalplan' Hans Scharouns oder der Abriss Kreuzbergs wurde verhindert.

Mit dem Zusammenbruch des Sozialismus 1989 entstand schließlich die völlig neue Aufgabe, zwei Städte zu einer Stadt zurückzuformen und deren historische Mitte als Regierungssitz einer größeren Bundesrepublik zu gestalten. Nahezu alle renommierten Architekten ihrer Zeit wollten daran teilhaben. Ein gigantisches Bauvolumen wurde realisiert. Heute, nachdem der Wandel konsolidiert ist, stellen sich wiederum neue Aufgaben, zu denen vorrangig die Bewältigung der Energie- und Verkehrswende zählen dürfte.